Neuro-Wissen

Neuro-Wissen

Einleitung

Lehrbücher erfinden die Wissenschaft nicht neu, sondern gründen auf dem Wissen, das in speziellen Fächern erforscht und etabliert ist. Das Verständnis komplexer Erkrankungen erfordert heute jedoch einen grundsätzlichen fachübergreifenden Transfer und interdisziplinären Wissensaustausch.

Darüber hinaus kann Neuro-Wissen grundlegende Prinzipien, Krankheitsmechanismen und praxisrelevante Therapieschemata nur aus der Wissenserweiterung aus der Universaldisziplin Biochemie heraus ableiten.

Als ursprüngliche Spezialwissenschaft führte die Wissensexplosion in diesem Fach zu einer notwendigen und revolutionären Perspektivenerweiterung in praktisch allen Fächern der Medizin. Verwoben in den Disziplinen Physiologie, Biologie, Chemie, Neurobiologie, Genetik und Pharmakologie ermöglicht die moderne Biochemie den Einblick in Grundlagen des Energiestoffwechsels, in molekulare Signal- und Kommunikationsprozesse, in das Innenleben der Zellen, in dynamische Genetik, Epigenetik und Nutrigenomik.

Aus diesem Kontext können pathologische Kaskaden und Prozesse in Relation zu direkten medizinischen Bezügen und Erkrankungen besser verstanden und tiefgründiger behandelt werden.

Eine Wissenschaftlichkeit, die ihrem Gegenstand gerecht wird, fachübergreifendes Erfahrungswissen und der tatsächlich mögliche Benefit für Patienten müssen die Säulen dieses Lehrbuchs sein. Resultieren sollen einfach ableitbare, verständliche und praktische Therapieoptionen für komplex und chronisch erkrankte Menschen.

Eine weitere Motivation und Verpflichtung für dieses zusätzliche Lehrbuch über Neurowissen und Multiple Sklerose (MS) leitet sich aus tief verwurzelten Familien- und Krankheitserfahrungen um die Diagnose MS ab.

Bereits vor einem halben Jahrhundert war unser Vater Werner Mosetter unter der Leitdiagnose MS in Behandlung der „besten Neurologen“ mehrerer Universitätskliniken in Deutschland und in der Schweiz. Im wahrsten Sinne schon im Mutterleib und mit der Muttermilch lernten mein Bruder Reiner und ich zu spüren, zu sehen, zu riechen, wie Behandlung, chronischer Schmerz, Immobilisation und vieles mehr um die MS alles im Leben prägt.

Nie verstanden haben wir allerdings, wieso diese Erkrankung trotz unzähliger Arztkonsultationen, Spezialisten, Fachkliniken, Medikamenten und Therapien nicht nur bei unserem Vater in einer stetigen Verschlechterung eskalierte (Rollstuhl, schwerste Behinderung und Tod), sondern auch allen anderen Menschen mit MS-Erkrankung, welche wir über drei Jahrzehnte in vielen Kliniken erlebten.

„Die Ursachen für diese Autoimmunerkrankung sind unbekannt.“ „Wenn es Hilfe geben würde, würden wir das tun.“ „Diese Erkrankung verläuft bei allen so.“ … So die Äußerungen der Spezialisten und Professoren für Neurobiologie zu den Fragen, warum denn all diese Medikamente – Cortison, Immorek, Chemo, Voltaren, Interferron, Resoquin, Novalgin usw. – keine Besserung ergeben würden.

Wie hunderte andere Patienten erlebten wir unseren Vater im Jahr 1985 nach viel-jähriger Rollstuhlkarriere selbst im Sitzen immobilisiert und gänzlich gehunfähig. Mein Zivildienstlehrgang zeigte mir weitere MS-Patienten – alle in stetigem Abbau unter klassischer pharmakologischer Therapie.

Ein Blick in die Medizinsysteme anderer Kulturkreise – viele monatelange Aufenthalte in Tibet, Nepal, Sikkim, Indien und China zwischen 1985 und 1997 eröffnete eine völlig andere Sichtweise der Ärzte dieser Medizinsysteme.

Statt von Immunsuppression und Kampf gegen die Symptome wurde hier vom Aufbau von Immungleichgewichten, Energiegleichgewichten, Neuroregeneration und Heilung gesprochen. Pflanzenextrakte, Kräuter, Mineralstoffe, Ernährungsleitlinien und Akupunktur zeigten in der Tat wirkliche Besserungen bei verzweifelten europäischen, japanischen, amerikanischen und australischen MS-Patienten – die ihr Heil in der „Alternativmedizin“ suchten.

Wie und warum war dies möglich? Für das tiefere Verständnis dieser Fragestellung war es erstens nötig, 1987 Medizin zu studieren, stets mit dem Sonderfokus Neurowissen und MS. Über die beiden Pionier-Ärzte Walter Packi (Freiburg) und Dr. Tilmann Goerttler (Badenweiler) wurde das Medizinstudium in einer „parallelen Lehre“ und in täglicher Praxis erweitert – und die Grundidee und Entwicklung der Myoreflextherapie eingeleitet.

Zweitens lehrte Gottfried Fischer (Köln, ehemals Freiburg) uns beide, in übergeordneten Zusammenhängen zu denken und zu arbeiten. Ätiologie-Forschung (die Lehre der kausalen Zusammenhänge) und eine dynamische (prozess- und biografie-orientierte) Psychotherapie-Wissenschaft wurde so eine wesentliche Säule kausaler Therapieansätze.

Drittens galt es, die molekularen Nährstoffe aus Asien in der molekularbiologischen und biochemischen Abteilung der Charité Berlin zu erforschen und eine Brücke zwischen den verschiedenen Denksystemen der Medizin zu gestalten. Die Universaldisziplin Biochemie hilft, die „fremden“ Konzepte der erfolgreichen chinesischen und indischen Medizin zu übersetzen, zu verstehen und nutzbar zu machen.

Genauso helfen die funktionelle Anatomie und moderne Hirnforschung, dass Akupunkturpunkte und neuromuskuläre Behandlungskonzepte als Synthese im Myoreflex-Konzept münden können. Als „Resultat“ täglicher „Behandlung“ unseres Vaters von Oktober 1987 bis März 1999 lernte dieser, wieder zu gehen, zu lachen und sich frei zu bewegen.

Eine wichtige Basis dieser Regulationsfähigkeit fußte sicher in einer äußerst konsequenten natürlichen Ernährung. Spezielle Ernährungsrichtlinien müssen auch Grundlage jeder nachhaltig erfolgreichen Therapie werden.

Innerhalb der letzten 25 Jahre konnten über kombinierte Therapien sehr viele Patienten mit der Diagnose MS wieder gesund werden. Viele Patienten wurden gesund, weil ihre „MS“ ein  Ausläufer komplizierter Postinfektionssyndrome (nach Virus-, Borrelien- oder Mycoplasmeninfektionen) war.

Eine sehr große Gruppe von MS-Patienten hatte alle Symptome einer MS, welche jedoch auf Traumata der Halswirbelsäule gründeten. Das Verständnis komplexer Hintergründe zwischen Anatomie in Funktion und biochemischem Entzündungsorchester eröffnete auch für diese Patienten die Salutogenese.

Wenn es gelingt, die MS-Erkrankung als komplexes Syndrom im Rahmen einer mehrschichtigen individuellen Krankheitsbiographie zu betrachten, sind mehrere Spezialisten nötig, den Einzelnen richtig zu behandeln. Der Facharzt für Neurologie, die Ernährungsspezialistin, der Akupunkteur, die Homöopathin, die Psychologin, der Zahnarzt, der Umweltmediziner, der Biochemiker, der biologische Mediziner und der Myoreflextherapeut können gut synchronisiert – jeder auf seiner Ebene, aber miteinander – „Wunder“ bewirken. Diese „Wunder“ resultieren aus harter Arbeit, breitem Wissen, konsequenter Mitarbeit der betroffenen Patienten und der Geduld aller Betroffenen. Wenn Patienten zu Agenten ihrer Gesundung werden, wählen sie ihr kompetentes Team.

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